Pressemitteilung: Spontandemo

++++++++++Pressemitteilung++++++++++++:
Anlässlich des homo- und transphoben Überfalls am 08.06.08 Heinrichplatz, Kreuzberg
Spontandemo mit 3000 Teilnehmenden für ein queeres Kreuzberg und Berlin. Keine Gewalt gegen Transgender!
Am Sonntag, den 8.6.2008 wurden am Heinrichsplatz in Berlin sieben queer lebende Menschen Opfer eines trans- und homophoben Angriffs. Da dieser Angriff im Rahmen des Dragfestivals stattfand, ist zu vermuten, dass es sich um eine gezielte Aktion gehandelt hat. Am Montag, den 9.6.2008 zogen in einer beispiellosen Spontandemo fast 3000 Transgender, Lesben, Schwule und queer lebende Menschen durch Berlin Kreuzberg um gegen den trans- und homophoben Gewalt zu demonstrieren.

foto: Carla LaGata
In letzter Zeit häufen sich in Berlin verbale und physische Übergriffe gegen Schwule Lesben und Transgender. Gerade dort wo viele Trans*menschen und queere Lebensweisen sichtbar sind - in Kreuzberg, in Neukölln aber auch in Mitte oder Wedding: "Die Vorfälle erinnern uns schmerzhaft daran", so Pia Thilmann, die Veranstalter_in des Drag Festivals, "dass das Spiel mit und das Überschreiten von Geschlechtergrenzen und -rollen jenseits von Scheinwerferlicht und Bühne noch immer gefährlich sein kann."
"Wo homo- und transphobe Beleidigungen, Sprüche, schräge Blicke, verbale Attacken an der Tagesordnung sind, wird eine Atmosphäre der Angst erzeugt. Transgender und queere Menschen haben Angst als von der Norm abweichend wahrgenommen zu werden und so als einzelne angreifbar zu sein. Manche_r fragt sich bereits: Wo gehe ich heute Abend besser nicht lang? Wer ist noch auf der Straße? Macht die Gruppe Jungs da drüben Ärger? Ist meine Handbewegung zu tuntig, laufen ich zu breitbeinig? Mit Vermeidungsstrategien versuchen wir uns zu arrangieren: ich fahren nur noch Fahrrad, nach 22. 00 Uhr gehe ich nicht mehr in die Hasenheide, am Hermannplatz lasse ich die Hand meine_r Freund_in los, ich fahre lieber Taxi anstatt U-Bahn etc., Dies darf, dies kann nicht sein.", so Julia Ehrt von TransInterQueer e.V. auf der Abschlusskundgebung der Demonstration.

foto: Carla LaGata
Denn Gewalt und Angst im Kleinen schaffen es das Gesicht der homo- und transfreundlichen Berliner Kieze im Großen zu verändern. Es ist daher wichtig untereinander über Situationen zu sprechen. Es ist wichtig, dass Stadtteilinitiativen und Gruppen- und Organisationen wie GLADT, TransInterQueer oder AbQueer über mögliche Aktionen und Reaktionen kommunizieren und diese organisieren. Wenn eine_r angegriffen oder beleidigt wird, sind alle gemeint und gefordert!
TransInterQueer wendet sich entschieden gegen diese gewalttätigen Übergriffe und den Versuch rechtradikaler und faschistischer Gruppierungen aber auch Einzelner die queere Vielfalt mit brutaler Gewalt zurück in die Unsichtbarkeit zu prügeln. Jede_r hat das Recht seine_ihre Einzigartigkeit zu zeigen!
Berlin, den 10.06.2008
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