Transgenialer CSD 2009

Das Motto des diesjährigen Transgenialen CSDs (Toleranz? Nein Danke!) mag befremdlich wirken, in einer Welt, in der Menschen fast täglich beleidigt, beschimpft, bedroht und sogar ermordet werden, weil sie nicht den in der jeweiligen Gesellschaft herrschenden Normen entsprechen.

 

Da könnten wir doch eigentlich froh sein, wenn wir wenigstens toleriert würden.

 

Toleriert als Exoten, als ein buntes Grüppchen, das einmal im Jahr auf die Straße geht und feiert. Am Straßenrand die Gaffer, die froh sind, dass sie nicht so sind - wie die da. Die sich ihrer "Normalität" so sicher sind... Doch was ist hier eigentlich normal?

 

„Ist es ein Junge oder ein Mädchen?" Das ist die klassische Frage nach der Geburt. Nicht: „Ist das Kind gesund"...

 

Jahr für Jahr werden zahlreiche Kinder geboren, die bei der Geburt nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können. Meist wird dann entschieden, ein Mädchen daraus zu machen, da diese OP einfacher durchzuführen ist. Und um ein "richtiger Mann" zu sein, braucht Mann einen funktionierenden Penis... Ist dieses Symbol der Männlichkeit nicht vorhanden oder zu klein, wird Mensch zur Frau gemacht. Für die Betroffenen ist das meist eine traumatische Erfahrung. Bereits im frühesten Kindesalter müssen sie medizinische Eingriffe über sich ergehen lassen, ihre Genitalien werden verstümmelt, sie werden kastriert und unfruchtbar gemacht.

 

Das Alles dient nur dem einen Ziel: Die Zwei-Geschlechter-Ordnung aufrecht zu halten. Damit nicht sein kann, was nicht sein darf: Es darf nur zwei Geschlechter geben, alles andere wird passend gemacht, koste es, was es wolle. Und wenn es Menschen die Würde kostet. „Die Würde des Menschen ist unantastbar"?

 

Was wir heute als männlich und weiblich bezeichnen, sind gesellschaftliche Vorstellungen, die sich im Laufe der Zeit auch durchaus ändern können. Die herrschende Norm ist zur Zeit die heterosexuelle Kleinfamilie mit Vater, Mutter und durchschnittlich zwei Kindern.

 

"Ehe und Familie sind zentrale Fundamente unserer Gesellschaft", so tönt die CDU. In der Familie werden die Kinder erzogen, zu Mädchen oder Jungen, Arbeiter_innen oder Angestellten, Chefs oder Untergebenen. So reproduziert sich unsere Gesellschaft von Generation zu Generation und die Geschlechterordnung gleich mit - scheinbar ganz natürlich.

 

Doch was männliche und was weibliche Körper sind, definiert die Medizin. Ein Mensch mit einem als weiblich definierten Körper gilt als Frau, mit einem als männlich definierten Körper als Mann. Und diese haben sich dann wie Männer und Frauen zu verhalten, so wie die Gesellschaft es vorschreibt und es in den Institutionen wie Familie, Schule, Kirche usw. gelehrt und verlangt wird. Abweichungen davon werden bestraft.

 

Wir werden beschimpft, beleidigt, diskriminiert, angegriffen, weil wir die angeblich "natürliche" Ordnung in Frage stellen. Wer sich als Trans*mensch nicht gleich wieder in die heteronormative Ordnung einreiht oder versehentlich "auffliegt" lebt gefährlich:

 

So wurde vor kurzem Camilla in Wolgograd Opfer eines Hassverbrechens: Die russischen Medien berichten, der Täter habe seine 30-jährige Freundin Camilla mit einem Gewehr getötet, "als er erfuhr, dass seine künftige Braut früher ein Mann war", wie Spiegel Online schreibt.

 

Doch wir sind viele. Es gibt mehr als zwei Geschlechter, was nicht nur das Vorhandensein von Zwittern beweist. Die Welt ist nicht nur schwarz-weiß - jenseits von weiblich-männlich gibt es noch sehr viel, eine ganze Vielfalt an Lebensweisen, Geschlechtern, Sexualitäten.

 

Wir wollen nicht toleriert werden. Wir sind nicht die Exoten, die ihr bestaunen könnt. Wir brauchen kein Mitgefühl. Wir sind genauso normal wie ihr auch. Jeder Mensch ist einzigartig. Wir treten dafür ein, diese Vielfalt zu leben.

 

Daher ist dieses Jahr auch das Motto der Trans*tagung:

Trans* Dich glücklich!

Trans* ist ein persönlicher und gesellschaftlicher Gewinn, ein Geschenk. Trans* stellt Grenzen in Frage und provoziert die Auseinandersetzung mit eingefahrenen Denkweisen. Auf der diesjährigen Trans*tagung wollen wir ergründen, warum es toll ist, trans zu sein. Wir glauben, dass eine TransPride Bewegung längst überfällig ist.

 

Die Transtagung findet statt vom 2. bis 4. Oktober 2009. Weitere Infos gibt es unter www.transtagung.tk.


Wir fordern eine Reform des Transsexuellengesetzes, die wirklich eine ist:

 

  • Abschaffung des Zwangs zu geschlechtsangleichenden Operationen

  • Vereinfachte Namensänderung

  • Abschaffung der Zwangssterilisation

Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Trans*rechte sind Menschenrechte.

 

Berlin, 27. Juni 2009

Brian/ TrIQ e. V.





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