PRESSEERKLÄRUNG --
TransInterQueer e.V. (www.transinterqueer.org)
15. März 2009
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Trans*frau in Istanbul ermordet.
Ebru Soykan wurde am 10. März 2009 in ihrem Haus in Istanbul ermordet. Ebru war prominentes Mitglied von Lambda Istanbul, der größten Interessenvertretung lesbischer, schwuler, bisexueller und transgeschlechtlicher Menschen in Istanbul und der Türkei. Sie arbeitete seit Jahren gegen die polizeiliche Gewalt und die schlechte Behandlung von transgeschlechtlichen Menschen in Taskim, einem Bezirk im Zentrum Istanbuls.
TransInterQueer e.V. ist schockiert und unsagbar traurig. Wie lange noch sollen solche Gewaltverbrechen mit trans*phobem und homophobem Hintergrund in Europa Alltag sein?
Die Tat kam nicht überraschend: Mitglieder von Lamda Instanbul berichten, dass Ebru bereits im Februar die Staatsanwaltschaft um Schutz gebeten hatte. Anlass waren mehrfache körperliche Angriffe und Morddrohungen durch den Mann, der jetzt als Tatverdächtiger in Untersuchungshaft sitzt. Bereits vor zwei Wochen hatte die Polizei den Mann festgenommen, nach zwei Stunden aber wieder frei gelassen.
Dies ist schon der zweite Mord an einem Mitglied von Lambda Istanbul innerhalb weniger Monate. Im Juli 2008 wurde der 26-jährige Ahmet Yildiz vor einem Café von einem Unbekannten erschossen. Bislang kam es zu keiner Anklage.
Beide Morde stehen in einer langen Reihe von Gewaltverbrechen an und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung in der Türkei - darunter zahlreiche Fälle von polizeilichen Übergriffen, inklusive vorsätzlicher Körperverletzung mit Schusswaffen. Die verantwortlichen Personen werden selten zur Rechenschaft gezogen und, wenn doch, in der Regel mit milden Geldstrafen belegt.Â
Die Dunkelziffer der Gewaltverbrechen an LSBT Menschen ist hoch und die meisten Fälle kommen nie ans Tageslicht. Viele werden nie untersucht: Bereits im April 2007 übergab Lambda Istanbul ein Dossier von 19 aktuellen Fällen ziviler und polizeilicher Übergriffe an die Menschenrechtskommission der Provinz Istanbul und verlangte eine Untersuchung. Diese wurde mit dem Argument abgelehnt, es lägen bei den beschriebenen Fällen keine Menschenrechtsverletzungen vor.
Dies macht deutlich, dass in der Türkei die Menschenrechte von lesbischen, schulen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Menschen alles andere als geschützt sind!Â
Und solange dies so ist, werden trans*phobe und homophobe Verbrechen wie der Mord an Ebru Soykan sich wiederholen. Das muss aufhören!! Wir fordern die Europäische Union und den Europarat auf, ihren Druck auf all jene Staaten zu erhöhen, die sich der Anerkennung der Menschenrechte für alle Menschen verweigern.
Für aktuelle Informationen zum Mord an Ebru Soykan wenden Sie sich bitte an:
GLADT e.V. : 030 - 26 55 66 33
info[at]gladt.de
Weitere allgemeine Informationen zur Menschenrechtssituation unter:
http://www.hrw.org/en/reports/2008/05/21/we-need-law-liberation-0
(Mai 2008, Human Rights Watch: Bericht über die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Menschen in der Türkei)
http://www.hrw.org/en/reports/2008/12/05/closing-ranks-against-accountability-0
(Dezember 2008, Human Rights Watch: Folgebericht speziell über polizeiliche Übergriffe auf transgeschlechtliche Menschen in der Region Istanbul)
Bilder vom öffentlichen Protest und der Mahnwache vor Ebru Soykans Haus in Istanbul:
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Zur Unterstützung von Lambda Istanbul könnt ihr hier online spenden.
Presseerklärung von Human Rights Watch (link)
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